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Malte

Meine Welt



Sonntag, 26. Juni 2011

Gefecht

Von letrasso, 10:33
Durch frühzeitiges Erscheinen sichere ich mir eine gute Ausgangsposition im vorderen Mittelfeld. Zur Aufwärmung spitze ich Bleistifte, sortiere meine Utensilien, gehe nochmals mit den Kameraden   Taktisches durch: Spielfeldpositionen, Vorberichterstattung, Statistik. Das alles könnte noch hilfreich sein. Die gegnerische Mannschaft läuft ein. Schwer bepackt mit dem Nötigsten, was dieses Spiel braucht. Der Kapitän geht voran, richtet nach einer kurzen Teambesprechung das Wort an uns.: „Mäh, ihr Schafe, mäh, ihr Schafe, bleibet treu eurer Rasse, eurem Glauben auch im Schlafe, auch im Schlafe. Mäh, ihr Schafe.“ Er fühlt sich wie im Fruchtwasser. Ich leide. Die letzten Spieler strömen herein. Verzweifelt versuchen sie auf das Spielfeld gelassen zu werden. Einige müssen auf der Bank schmoren. Noch einige Minuten bis zum Anpfiff. Im Training hatte ich ausreichende Ergebnisse. Es wird schon schief gehen. Dann geht es los. Ich vorne, schaue links, niemand dort. Sehe ein Lücke, da ist Platz, passe.

Dienstag, 21. Juni 2011

Lernen Sie zu lernen

Von letrasso, 11:33
Ich sitze seit Wochen auf dem Trockenen. Hier, in dieser Wüste, zähle ich nichts als Sandkörner und versuche mir jedes einzelne zu merken. Durch die aufsteigende Hitze sehe ich in der Weite nur Schlieren, die den Horizont verschwimmen lassen. Ab und zu eine Oase, doch immer die Angst dabei, es könnte sich um eine Fata Morgana handeln. Jede zusätzliche Mühe ist reine Verschwendung. Jede Regung meines Geistes muss ich unterdrücken.  Nein, du darfst nicht nachdenken. Friss oder stirb. Hauptsache ich funktioniere. Durchhaltevermögen, Belastbarkeit, Teamfähigkeit. Schnelle Auffassungsgabe. Ausbildung, Weiterbildung, Fortbildung. Abbildungen, und Nachbildungen. Plastisch, künstlich, synthetisch. Und immer die Vorsicht dabei. Steckst du in einem Sandsturm fest, versuche nicht zu schwimmen. Lerne das Spiel zu lieben. Lerne gesund zu sein. Lerne Fröhlichkeit, Offenheit, Umsichtigkeit. Lerne zu überleben.

Freitag, 03. Juni 2011

Später, an der Front, sitzen wir alle zusammen in der Deckung

Von letrasso, 10:28
 Der Feind schleicht um uns herum. Ob er mich sieht weiß ich nicht. Ich verhalte mich unauffällig. Keine zu schnellen Bewegungen, keinen Augenkontakt. Er ist hinter mir, ich spüre seine Kälte. Aus den Lautsprechern spricht die Propaganda, dröhnen Parolen: Freiwillige Selbstkontrolle, Überprüfung der Personalien. Sie  nehmen jeden unter die Lupe. Ich werde nicht aufgeben. Ich werde niemanden verraten. Ein Signal ertönt. Alle zucken zusammen und laden ihre Waffen. Plötzlich wird geschossen. Kreuzfeuer. Stille. Habe ich getroffen, gibt es Tote in den eigenen Reihen? Ich schaue mich vorsichtig um. Volltreffer. Jetzt heißt es abwarten, bloß nicht die Nerven verlieren. Und wieder Schüsse. Jemand schreit um Hilfe. Die Geier kreisen schon. Das war`s Junge.  Der Feind sperrt ihn in Isolationshaft. Hier ist jeder auf sich allein gestellt. Wir können nichts mehr für dich tun.